Twitter habe ich nach einem TEDx-Event 2020 für mich entdeckt. Ich war begeistert und diese Energie musste wohin. Die Anmeldung war ratzfatz erledigt und ich habe meinen ersten Tweet gepostet. Es wurde für die Jahre darauf das soziale Netzwerk meiner Wahl, sowohl privat als auch im Business-Kontext.
Vom ersten Tag an fand ich die Plattform super. Nirgendwo sonst konnte ich so einfach in Sachen UX Writing und Design auf dem Laufenden bleiben, mich mit Gleichgesinnten austauschen und vernetzen, unkompliziert Medien weltweit folgen und diskutieren. Ich habe tolle Menschen kennengelernt. Barcamps wurden über Twitter organisiert, laufende Sessions kommentiert. Außerdem verdanke ich der Plattform den einen oder anderen interessanten Auftrag. 5 Jahre und etliche Tweets und Kommentare später sage ich nun tschüss.
Ein Satz mit X, das war wohl nix
Dieser Satz ist wohl selten so treffend wie jetzt, kurz vor der Bundestagswahl 2025. Twitter wurde im Herbst 2022 übernommen und dann von Irren geflutet. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, warum ich dort noch bin.
Statt eine Basis für gesunde und notwendige Diskussionen zu bieten, herrscht jetzt auf der Plattform eine geradezu feindselige und toxische Atmosphäre. Die dortigen Algorithmen begünstigen Übertreibungen und Kontroversen. Da, wo ich mal Fachkompetenz und sinnvolle Diskussionen schätzte, finde ich heute Extreme und Nonsens.
Mein Konto fristet bereits seit Ende 2022 ein Schattendasein in meinem Passwortmanager. Wenn es hochkommt, habe ich mich seit der Übernahme 10 Mal eingeloggt. Die App ist auch schon lange nicht mehr auf meinem Smartphone. Hatte ich erst einmal FOMO? Definitiv. Aber das Denken des Besitzers und die Realität auf der Plattform klaffen einfach zu weit von meinem eigenen Denken und den eigenen Werten auseinander.
Und doch habe ich das Konto nicht gelöscht. Das, was mich hält, kann also nur Nostalgie und die Romantisierung der „guten alten Zeit“ sein. Ob es anderen so geht wie mir?
Übermorgen steht die Wahl in Deutschland an. Eine Wahl, die mich beschäftigt, wie keine zuvor. Mit einer Stimmung im Land, in der Angst und Sorgen mitschwingen. Mit Entscheidungen jenseits des Atlantiks, angetrieben vom X-Besitzer, die sich weltweit zum Negativen für viele einzelne Menschen auswirken werden.
Das führt mir deutlich vor Augen: Die Plattform Twitter, wie ich sie einst schätzte, die gibt es nicht mehr. Und sie wird es auch nicht mehr geben.
Es hat sich ausgezwitschert
Tweets gibt es nicht mehr und mit dem jetzigen Laden will ich nichts mehr zu tun haben. Für mich zeigt sich kein sinnvoller Nutzungszweck.
Ich habe daher heute Nachmittag Nägel mit Köpfen gemacht. Der einzige wirkungsvolle Protest ist das konsequente Löschen des eigenen Profils, und das habe ich gerade gemacht. Deaktiviert ist das Konto also nun. Es dauert 30 Tage, bis es endgültig gelöscht ist. Das ist der einzige Hebel, den ich selbst bedienen kann. Mini-klein, aber immerhin. Und wer weiß, wenn die Nutzerzahlen in den Keller gehen, vielleicht ändert es was.
Danke, Twitter. Und danke an alle, mit denen ich dort einen Austausch hatte. Schön war’s mit dir und euch.
In diesem Sinne …
„Nicht weinen, weil sie vorüber. Lächeln, weil sie gewesen.“
– Ludwig Jacobowski
Blauer Himmel aka Bluesky
Wie geht es weiter? Mastodon könnte eine Option sein, aber dazu braucht es Zeit für die Einarbeitung, einen eigenen Server und Fediverse. Also alles recht techy, was allerdings OK wäre. Der Big-Bonus? Die Unabhängigkeit von den sozialen Plattformen.
Als neue Plattform probiere ich jetzt erst einmal Bluesky aus, die neuere Twitter-Alternative. Wird Bluesky die Antwort sein? Das weiß ich nicht. Aber ich finde es einen Versuch wert. Will schauen, ob ein Teil der wertvollen (beruflichen) Debatten, die früher auf Twitter stattfanden, jetzt auf Bluesky stattfinden können.

Bilder: privat, Canva







2 Kommentare zu „Tschüss und danke für die guten Zeiten, Twitter“
Wir haben schon von ganz vielen gehört, dass sie Twitter (X) verlassen haben. Wir selber waren nie auf Twitter, aber das, was wir so mitbekommen haben, war genau so, wie du es hier beschreibst 😐
Schade eigentlich, dass sich ein Publikum so entwickeln kann, aber auch irgendwie wenig verwunderlich bei dem Besitzer.
Wir mögen Menschen, die klare Kante zeigen 🫶
Von daher von uns ein „Huurraaaa, gute Entscheidung!“
Viel Spaß und viel Glück mit Bluesky (was wir uns mal anschauen, noch nie davon gehört) 🦋
Liebe Grüße
Die Nikas
Absolut, Nika! Ursache und Wirkung sind untrennbar miteinander verwoben. Es ist die logische Folgerung. Danke für euer Hurra 🫶, klare Kante mag ich auch. Sowohl die Haltung als auch den Ausdruck.
Liebe Grüße
Inge