Rechtschreibung ist wichtig. Nicht nur für UX Writer wie mich, sondern für jeden, der im beruflichen Kontext Texte schreibt. Ein Tool, das uns dabei unterstützt, möglichst fehlerfrei zu schreiben, ist Gold wert.
Doch was, wenn das Tool selbst zur Quelle der Frustration wird? In dieser UX-Analyse tauche ich wieder in meine Erfahrung als Nutzerin ein, dieses Mal mit LanguageTool. Und analysiere, wie selbst ein so nützliches Produkt durch kleine Lücken in der Gestaltung und unzureichende Kommunikation für seine Nutzer zur echten Hürde werden kann.
Denn das Tool setzt insbesondere im Gutenberg-Editor von WordPress nach einer Weile aus. Ohne Warnung, ohne Hinweis und ohne sichtbaren Grund. Heute weiß ich: Es wäre ein Klacks, diese UX-Dinge in Ordnung zu bringen bzw. transparent zu kommunizieren.
Falls du wissen willst, was UX überhaupt ist, dann findest du in diesem Blogbeitrag viele Infos und Bilder:
Was ist LanguageTool und wofür ist es gut?
LanguageTool (kurz: LT) ist eine KI-basierte Rechtschreib-, Grammatik-, Komma- und Stilprüfung. Es ist als Browser-Extension, Desktopanwendung oder über die Website nutzbar. Die Grundversion ist kostenlos, während eine Premium-Version erweiterte Funktionen bietet.
Um das Tool auszuprobieren, habe ich erst einmal die kostenlose Browser-Extension installiert. Sie sollte mich beim Schreiben unterstützen, unter anderem bei WordPress-Blogartikeln. Anfangs lief alles wie geschmiert. Korrekturvorschläge in Echtzeit, superpraktisch. Die roten und gelben Unterstreichungen halfen mir, Rechtschreibfehler und fehlende Satzzeichen zu erkennen und zu verbessern.
Das mysteriöse Verschwinden
Nach einiger Zeit der produktiven Nutzung geschah etwas Seltsames: Mitten beim Schreiben eines längeren Blogartikels in WordPress setzte LanguageTool plötzlich aus. Keine Unterstreichungen mehr und keine Hinweise. Als hätte sich das Tool verabschiedet. Ein Blick auf das Browser-Symbol zeigte: LT war noch aktiv, arbeitete aber offenbar nicht mehr.
Meine erste Reaktion war: Ich deaktivierte die Extension und aktivierte sie wieder. Nichts. Dann deinstallierte ich die Extension und installierte sie neu. Doch auch dann blieb das Problem bestehen. Irgendwann später funktionierte es wieder, ohne dass ich erkennen konnte, warum. Es wirkte wie ein technisches Problem mit unregelmäßigem Auftreten. Das Muster wiederholte sich über Monate hinweg:
- Anfangs funktionierte alles einwandfrei
- Insbesondere in WordPress setzte LT aus
- Nach unbestimmter Zeit kehrte die Funktionalität scheinbar zufällig zurück
- Dann erneutes Versagen ohne erkennbares Muster
Die Fehlersuche: lang, zäh, ergebnislos
Als Nutzerin mit technischem Grundverständnis begann ich, systematisch nach dem Problem zu suchen:
Versuch 1: Website und FAQs
Natürlich durchforstete ich die offizielle Website und insbesondere die FAQs nach Hinweisen, auch nach „Textlänge“. Trotz gründlicher Recherche fand ich keine Information, die auf mein Problem hinwies oder die erklärte, warum das Tool plötzlich aufhören könnte zu funktionieren. Genau die Information, die ich benötigt hätte, fehlte. Oder war sie so tief im Content versteckt, dass ich sie nicht fand?
Versuch 2: Feedback bei Deinstallation
Bei jeder Deinstallation der Browser-Extension – und es waren einige – bietet LanguageTool ein Feedback-Formular an. Ich nutzte diese Gelegenheit einige Male, um das Problem zu beschreiben und alle relevanten technischen Informationen beizufügen. Die Reaktion? Stille. Bald hinterlegte ich meine E-Mail-Adresse dann auch nicht mehr.
Versuch 3: Community-Forum
Im offiziellen LanguageTool-Forum fand ich einen ähnlichen Fall. Dort bat das Support-Team lediglich um technische Details wie Versionsnummern und Log-Dateien, ohne konkrete Lösungsansätze anzubieten. Technisch korrekt, aber wenig hilfreich. Der Thread-Ersteller blieb offenbar ratlos zurück, genau wie ich.
Versuch 4: Support-Kontakt
Ich schrieb eine detaillierte E-Mail an den Support, in der ich das Problem beschrieb und meine Systemdaten mitteilte (macOS-Version, Chrome-Version, usw.). Eine Antwort erhielt ich nicht, weder eine Lösungshilfe noch eine automatische Eingangsbestätigung. Für mein Empfinden ein absolutes No-Go.
Die überraschende Lösung? Ein zufälliger Hinweis
Erst ein halbes Jahr später brachte mich eine Kollegin auf die Lösung. Ich war abermals beim Haareraufen und sie fragte: „Kann es sein, dass du die 10.000 Zeichen überschritten hast? Das ist das Limit in der Free-Version.“
Ich war baff. War es wirklich so einfach? Und ja, tatsächlich, genau so ist es. Die kostenlose Browser-Erweiterung funktioniert nur bis 10.000 Zeichen pro Textfeld. Dass es ausgerechnet beim Blogschreiben in WordPress passierte? Genau da verfasste ich regelmäßig längere Texte und erreichte so schneller das Limit. Dass die Funktionalität später wiederkehrte? Es waren kürzere Texte. Dickes Danke, Judith Peters, dein Hinweis hat direkt zum Ziel geführt.
Der Clou? Die Basisversion von LanguageTool ist auf 10.000 Zeichen pro Textfeld begrenzt.
UX-Analyse im Detail
Bei genauerer Analyse offenbaren sich mehrere grundlegende UX-Probleme, die mit relativ geringem Aufwand zu beheben wären. Denn dass eine kostenlose Version ein Limit hat, das ist selbstverständlich. Aber dass dieses Limit nirgends deutlich kommuniziert wird, ist aus Nutzersicht ein echtes Hindernis.
1. Keine transparente Kommunikation des Limits
Das Hauptproblem liegt auf der Hand: Das 10.000-Zeichen-Limit der Free-Version ist weder im Tool noch im Hilfe-Menü sichtbar. Wenn ein Nutzer das kostenlose Kontingent erreicht hat, sollte das Tool dies klar kommunizieren. Ein einfacher Hinweis wie „Du hast dein kostenloses Prüfkontingent von 10.000 Zeichen pro Textfeld erreicht. Willst du jetzt upgraden?“ würde genügen. Stattdessen verschwindet die Funktionalität einfach und der Nutzer bleibt verwirrt zurück.
2. Unzureichende Kommunikation des Grenzwerts
Selbst nach meinem Aha-Moment suchte ich auf der Website lange nach der konkreten Angabe zu den 10.000 Zeichen. Diese wichtige Information ist tief vergraben auf der Landingpage für die Premium-Version. Als Nutzer musst du also zunächst verstehen, dass dir diese Information fehlt, um dann mühsam zu recherchieren, wo sie steht. Ein potenzieller Nutzer kann also nur über Umwege eine informierte Entscheidung treffen, ob die kostenlose Version für seine Bedürfnisse ausreicht oder nicht.

3. Fehlende Statusanzeige
Eine simple Fortschrittsanzeige („noch X Zeichen verfügbar“ oder „Limit erreicht, jetzt upgraden?“) in der Browser-Extension würde Nutzer kontinuierlich informieren und böse Überraschungen vermeiden. Solche Transparenz-Features sind in Freemium-Produkten Standard. Bei LanguageTool fehlen sie aber. Das ist auch einfach eine wunderbare Gelegenheit, das Geschäft zu beleben und die Premium-Version zu verkaufen.
4. Zu starker Tech-Fokus beim Support
Statt auf das tatsächliche Problem einzugehen, fragt der Support im Forum nur nach Geräten und Versionsnummern. Will man als Nutzer das Support-Team per E-Mail kontaktieren, findet man auf der Website eine Checkliste, mit dem Hinweis, je detaillierter die Angaben seien, desto einfacher könne das Team das Problem ermitteln und lösen. Die Liste ist lang. Version? Gerät? Browser? URL? Sprache? Und vieles mehr. Das Naheliegende fehlt, die Erinnerung, dass die Frei-Version mit Zeichenlimit kommt.
Wie könnte die UX verbessert werden?
Gerade weil LanguageTool aus Deutschland kommt – mit Sitz in Potsdam – erwartet man klare Kommunikation und transparente Produktinformationen. Umso überraschender, wie viel hier im Dunkeln bleibt. Die Erfahrung mit LanguageTool zeigt wichtige UX-Prinzipien, die für jedes digitale Produkt gelten. Ein paar „Low-Hanging Fruits“, mit denen sich die UX deutlich verbessern ließe:
- Transparenz schaffen: Nutzer sollten immer wissen, wo sie stehen – besonders in Bezug auf Nutzungslimits.
- Proaktiv kommunizieren: Probleme und Einschränkungen sollten aktiv kommuniziert werden, bevor sie zu Frustration führen.
- Erwartungen setzen: Die genauen Bedingungen eines Freemium-Modells müssen klar kommuniziert werden, damit Nutzer informierte Entscheidungen treffen können. Diese Informationen müssen auf Anhieb sichtbar sein.
- Kundenanfragen ernst nehmen: Jede Support-Anfrage ist eine Chance, einen Nutzer zu halten oder zu verlieren.
- „Upgrade-Anreiz“ schaffen: Nutzer der Basis-Version sollten die klare Info sehen, dass sie von der kostenlosen auf die Premium-Version upgraden können.
Was mich besonders erstaunt? Die identifizierten Probleme ließen sich ohne großen zeitlichen oder finanziellen Aufwand verändern. Eine simple Benachrichtigung beim Erreichen des Limits, eine klare Kommunikation der Begrenzungen und ein funktionierender Support würden die Nutzererfahrung erheblich verbessern.
Fazit: Starkes Tool mit Schwachstellen UX und Komms
LanguageTool ist ein ausgesprochen nützliches Werkzeug, daran besteht kein Zweifel. Und seine eigentliche Funktionalität erfüllt das Tool hervorragend. Doch grundlegende UX-Prinzipien entlang der Customer Journey werden nicht berücksichtigt. Sowohl im Hinblick auf die Nutzerfreundlichkeit als auch bei der Kommunikation des Kunden-Supports ist Luft nach oben.
Ich nutze – und empfehle – LanguageTool mittlerweile natürlich in der Premium-Version. Den Weg dahin hätte ich mir angenehmer gewünscht, mit einer gescheiten Kommunikation und weniger Zusammenreimen.
Transparenz-Hinweis zur Verwendung des Screenshots
Der gezeigte Screenshot stammt von einer öffentlich zugänglichen Website und dient ausschließlich der kritischen Auseinandersetzung mit Aspekten der Nutzerführung in digitalen Produkten wie Websites oder Apps.
Er ist Teil meiner unabhängigen Analyse und wird nicht zu kommerziellen Zwecken verwendet. Ich nutze sie nicht zu Werbezwecken, sondern um Schwächen in der Nutzererfahrung aufzuzeigen und konkrete, lösungsorientierte Ansätze für eine Web-Optimierung vorzuschlagen. Alle Marken- und Bildrechte liegen bei den jeweiligen Unternehmen.
Die Analyse und Bewertungen spiegeln meine persönliche, fachliche Einschätzung wider.

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2 Kommentare zu „UX-Analyse von LanguageTool: Deutsch 1+, UX nachsitzen“
Liebe Inge,
was du alles anschaust, analysierst und hier auf deinem Blog veröffentlichst, finde ich grandios!
Ich selbst nutze LanguageTool schon bestimmt länger als ein Jahr, mir ist das NOCH NIE aufgefallen!
Weil ich beim Schreiben keine Fehler mache? Sicher nicht.
Weil ich nur Blogartikel mit weniger als 10.000 Zeichen verfasse? Nee, meine Bandbreite ist: breit 😉
Ich werde jetzt mal etwas genauer hinschauen, bis zu welchem Status eines Artikels die gelben und roten Linien auftauchen und ab wann nicht mehr, um dann für mich zu entscheiden, ob ich mal über Premium nachdenke.
Danke für deine Sensibilisierung für dieses Tool!
Herzlichst
Gabi
Haha, das geht natürlich runter wie Öl, danke für die warmen Worte, liebe Gabi. Schön, dich hier zu lesen. Dieser UX-Blick ist ein wenig wie das Hören, ich kann‘s nicht ausschalten. Und manchmal würde ich das echt gerne tun, schwitz.
Bin gespannt, was deine Beobachtungen ergeben, halte mich gerne auf dem Laufenden.
Das Ganze ist unscheinbar, die farblichen Markierungen verschwinden einfach irgendwann sang- und klanglos. Nachdem ich das feststellte, habe ich immer mit Absicht im ersten Absatz der Entwürfe einen Fehler eingebaut. Sobald die farbliche Markierung weg war, wusste ich: Aha, jetzt ist es also wieder so weit. Diesen Workaround fand ich absolut schräg, mit Premium ist das Schnee von gestern. Besonders interessant finde ich: Das Ganze ist nicht nur für Nutzer doof, LanguageTool lässt damit ein leichtes Geschäft liegen. Auch die Verbesserungen dürften weder viel Zeit noch viel Geld kosten.
Diese Kategorie ist recht neu im Blog und ich bin so froh, nun einen guten Platz für diese Dinge zu haben. Denn das professionelle Auseinandersetzen damit ist so ganz nebenbei auch ein Ventil. Die nächste UX-Analyse ist schon in der Pipeline, da wird es um die Polizei gehen 🙂
Herzliche Grüße
Inge