Internationaler Tag der Muttersprache

Weltweit gibt es rund 7.000 Sprachen, was für eine Vielfalt. Ich heiße Inge, deutscher geht’s kaum, oder?! Und doch ist Englisch meine Muttersprache. Spanisch war meine erste Fremdsprache und Deutsch die zweite. Heute bin ich bilingual in Deutsch und Englisch.

Eben habe ich im Radio gehört, dass heute der Internationale Tag der Muttersprache ist. Da muss ich noch einmal kurz in die Tasten hauen.

Die Sprachen und ich

Geboren in Chile, Eltern aus England und Deutschland. Verwandte in Großbritannien, Norddeutschland und auf den Kanaren. In Chile, Spanien und den USA gelebt. Eine Konstante gab es: Wir sprachen daheim Englisch.

Ich bin unter anderem Deutsche, lernte die Sprache allerdings erst als Jugendliche. Wir wurden als Familie im Taunus sesshaft und ich wechselte von der englischsprachigen Schule auf die deutschsprachige. Was war das schwer, die Sprache zu lernen! Der, die oder das – wer soll das denn bitte verstehen? Und die vielen komplexen Regeln und Unregelmäßigkeiten. 

Heute fühle ich mich mit der deutschen Sprache pudelwohl.

Heute ist Sprache die Basis meiner Arbeit. Trotz englischer Muttersprache habe ich mich bewusst dafür entschieden, auf Deutsch zu arbeiten. Im Englischen ist es einfacher, Texte zu schreiben, die leicht wirken, egal wie ernst oder komplex ein Thema sein mag. Satzkonstruktionen sind anders, die Wörter in der Regel um etwa 30 % kürzer. Ein Verb am Anfang eines Buttons oder CTAs? Kein Thema. Meinem deutschen Schreibstil versuche ich, genau diese Leichtigkeit zu geben. Auch wenn die Wortordnung eine andere bleibt.

Mein Vorteil, 2 Sprachen zu sprechen und innerhalb eines Satzes zwischen beiden schnell switchen zu können, ist auch mein Nachteil. Ich hinterfrage bei jedem Wort, ob ich die beiden Sprachen nicht miteinander vermenge.

Witziges Sharing an der Kasse im Supermarkt

Heute Abend hatte ich beim Einkaufen gleich zweimal die gleiche Situation an der Kasse: Die Kassiererin nannte nach dem Einscannen der Ware die Endsumme und verdrehte dabei die Zahlen, um sich daraufhin selbst zu korrigieren.

Es war wenig los und wir kamen darüber ins Gespräch. Denn genau das kenne ich nur allzu gut, wenn ich müde bin. Also fragte ich vorsichtig nach. Und siehe da, beide sprachen zwar fließend Deutsch, hatten aber eine andere Muttersprache. Ein Moment der Nähe.

Im Unterschied zum Deutschen werden in vielen Sprachen – eben auch im Englischen – Zahlen von links nach rechts gelesen. Nehmen wir 24. Im Englischen liest man erst die 20 und dann die 4: „twenty-four“. Im Deutschen wird das Ganze allerdings von hinten aufgerollt. Erst die 4, dann die 20: „vierundzwanzig“. Ein Hin und Her ist das.

Grad nach einer langen Woche und mit müdem Kopf kenne ich dieses Phänomen mit den Zahlen. Ich spreche dann zwar Deutsch, nutze aber die englische Reihenfolge. Und schwups, ist der Zahlendreher da.

Denn egal, wie gut man eine 2. Sprache lernt, man rechnet sein Leben lang in der Sprache, in der man die Grundrechenformen gelernt hat. Bei mir also Englisch.

Was das Gehirn mit mehreren Sprachen macht

Kürzlich hat mir meine Hausärztin, die selbst bilinguale Kinder hat, etwas Spannendes bezüglich der Anatomie des Gehirns erzählt. Lernt man im Laufe seines Lebens eine 2. Sprache, dann gibt es gewissermaßen eine Brücke von Areal A, in dem die Muttersprache sitzt, zu Areal B, in der die 2. Sprache sitzt. Das Gehirn nutzt diese Brücke und übersetzt hin und her.

Lernt man allerdings in seinen ersten 5 Lebensjahren eine 2. Sprache, dann entwickelt sich im Sprachzentrum des Gehirns etwas anderes. Das gesamte Sprachwissen liegt dann in einem einzigen Pool. Beim Sprechen, Schreiben und Co. trennt das Unterbewusstsein die Sprachen, die in diesem Pool liegen.

Ein Hoch auf das Unterbewusstsein. Mega Leistung!

Das bedeutet, dass es von Vorteil ist, sich in jungen Jahren mit einer weiteren Sprache neben der Muttersprache beschäftigen zu müssen. So wird das Gehirn auf eine Weise geformt, wie es später nicht mehr möglich ist.

Kulturelle Eigenheiten

Unsere Muttersprache prägt unsere Denkweise. Und Sprache hat einen unmittelbaren Einfluss auf die Identität.

Was mich an der englischen Sprache begeistert

Englisch ist eine Weltsprache und mir auf Reisen und im Business-Kontext immer wieder eine große Hilfe. An der Uni habe ich sogar deswegen bereits im Grundstudium eine der heiß begehrten HiWi-Stellen bekommen. Einfach nur, weil ich Englisch konnte. Es ging um ein internationales Projekt, bei dem die Kommunikation auf Englisch war. Fachlich waren mir andere natürlich weit voraus. Aber da die Sprache die Basis der Zusammenarbeit war, wählte der Prof mich.

Das, was mich am meisten an Englisch begeistert, ist, wie die Sprache genutzt wird. Englisch ist bildlich, Englisch ist spielerisch. Es wird etwas gesagt, 3 Mal um die Blume und es ist gesagt, alle verstehen es. Diese Spielerei liebe ich. Was sagen zu können, ohne mit der Tür ins Haus zu fallen. Und Bilder mit Worten zu malen.

Ein weiterer Punkt ist die Tonalität, die Worte sind oft höflicher. Die Intention muss es keineswegs sein, auch Briten können richtig unhöflich sein. Aber neben dem Stupser in die Rippen bekommt man eher ein freundliches „excuse me“ anstatt einer Ansage wie „Vorsicht!“

Was mich an der deutschen Sprache begeistert

Es hat lange gedauert, bis ich Deutsch in jeder Hinsicht meins nennen konnte. Ich habe 12 bis 18 Monate gebraucht, um die Sprache zu lernen. Und dann hat es gefühlte 20 Jahre gedauert, bis ich die kulturellen Nuancen für mich erobert hatte.

Deutsch ist unmittelbar und direkt. Lange habe ich das als unhöflich empfunden, mitunter aufgrund meiner kulturellen Prägung. Doch heute schätze ich insbesondere die Klarheit, die dieser Stil mit sich bringt. Und Höflichkeit ist keine Frage der Direktheit.

Im Deutschen hat man große Freiheiten bei der Wortstellung im Satz, damit lässt sich wunderbar eine Dynamik erzeugen. Und diese ewig langen zusammengesetzte Wörter lassen sich oft kürzer und knackiger formulieren.

Fazit

Ich bin dankbar, neben der Muttersprache eine weitere Sprache fließend zu sprechen. Ich denke, lebe, träume und arbeite auf Englisch und Deutsch. Wer weiß, vielleicht lerne ich auch wieder Spanisch, damit es für mehr als „solamente un poco“ reicht …

Hashtag Team UX

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👩‍💻 5+ Jahre UX Writer und Strategin
✍️ Davor 3+ Jahre Texten und Marketing im Bereich Tech
👩‍⚕️ Davor 10+ Jahre Therapeutin
🤹 Know-how: UX Writing, Content Design, Webdesign, Usability
🔄 Erfahrung im agilen Umfeld, Scrum Master
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