Etwas bewirken. Klingt groß, oder? Für manche heißt das, ein Start-up für nachhaltige Verpackungen zu gründen oder Bildungsangebote in ländlichen Regionen zu fördern. Bei mir geht es darum, das Leben ein wenig leichter zu machen. Das war schon in meinem ersten Beruf als Therapeutin so, und das ist heute als UX Writer nicht anders.
Helena Aberger fragt in ihrer Blogparade Warum ich tue, was ich tue. Mein Warum im Business. Die Frage trifft einen Nerv. Endlich schreibe ich das auf, was schon lange in meinem Kopf kreist.
Der PC fliegt gleich aus dem Fenster
Meinen ersten PC wollte ich aus dem Fenster schmeißen, nicht nur einmal. Da stand dieser graue Kasten mit Windows 95. Daneben lag eine kryptische Anleitung in Arial 9. Ich wollte nichts Wildes. Mal einen Drucker anschließen, dann ein Programm installieren.
Anstatt das mal eben erledigen zu können, verbrachte ich viele Stunden mit Handbuch und Hotline. Spaß gemacht hat das nicht, im Gegenteil. Die Freude über den neuen Kauf wandelte sich, Frust machte sich breit. Ich wollte das Ding einfach nur benutzen. Stattdessen musste ich mich ewig mit der Technik befassen.
Ich verstand nicht, warum Unternehmen diese schwer zu bedienenden Produkte entwickelten. Ich sah einfache Lösungen, Änderungen mit gesundem Menschenverstand, die das ganze Nutzererlebnis so viel erleichtert hätten. Mir wollte nicht in den Kopf, dass große Unternehmen mit all ihren klugen Köpfen solche offensichtlichen Hürden übersehen.
Mich beschäftigte die Frage: Warum ist Technik so unnötig schwer zu benutzen? Genau da begann mein Blick für die Nutzerfreundlichkeit von Produkten, auch als UX bekannt.
Einfach. Punkt.
Reflexartig habe ich einen Blick dafür entwickelt, wie schlechte UX den Alltag behindert und gute ihn erleichtert. Am besten fand ich es, wenn ich es gar nicht bemerkte. Da bin ich wie alle: Wir möchten nicht darüber nachdenken, wie etwas funktioniert. Wir wollen es einfach leicht nutzen können. Dabei kannte ich zu der Zeit den Begriff UX noch gar nicht.
Das war aber bereits als Therapeutin auch mein Ansatz. Ich habe Menschen dabei unterstützt, komplizierte und belastende Themen besser zu verstehen. Durch Zuwendung, Dialog und Empathie. Rahmen geben, um neue Perspektiven zu erobern. Alles, damit es leichter wird.
Heute arbeite ich nicht mehr in der Praxis, sondern im Bereich UX. Mein Ziel ist gleich geblieben, nur das Feld ist anders. Digitale Produkte sollen den Alltag erleichtern, nicht komplizierter machen.
UX war kein Plan, aber ein Volltreffer
Ich bin nicht gezielt in die Tech-Welt gewechselt, UX hat mich gefunden. Ich schrieb längst beruflich, als mir ein Kollege ein Buch in die Hand drückte: Don’t Make Me Think von Steve Krug. Das war mein Gamechanger. Diese ganze Frustration mit Technik hat einen Namen. Und sogar ein Berufsfeld. Ich verstand zum ersten Mal, wie stark sich gute und schlechte User Experience unterscheiden. Da wurde mir klar, warum mich bestimmte digitale Produkte immer wieder frustriert hatten.
Im Buch dreht sich alles um das Nutzererlebnis bei der Verwendung des Produkts. Um Klarheit statt Chaos oder Kryptisches. Um digitale Produkte, die sich an Menschen orientieren, nicht an internen Prozessen oder Fachjargon. Ich wusste sofort: Das ist es!
Jetzt ging es nur noch darum, das Ganze auf ein solides Fundament zu stellen. Ich recherchierte und stieß auf UX Writing. Ein Beruf, in dem sich alles verband, was mir wichtig war: Schreiben, Struktur, der Mensch im Mittelpunkt und den Blick auf Nutzerfreundlichkeit. Ab da gab es kein Halten.
Ich bildete mich gezielt weiter und legte als UX Writer los. Seither analysiere ich, formuliere, teste und verbessere. Und frage mich bei jedem Detail eines digitalen Produkts: Würde das auch meine ältere Nachbarin auf Anhieb verstehen?
Nun bin ich – zuweilen ungewollt – mit »UX-Brille« unterwegs. Ich sehe, wo Sprache hakt, wo Navigation verwirrt, wo Nutzer aussteigen. Und ich tue mein Möglichstes, damit sie dranbleiben.
Mein Warum in drei Worten: Make it easier!
Make it easier! – das ist mein Leitsatz. Gute UX sollte kein Luxus sein. Sie hilft allen, besonders denen, die sich nicht täglich mit Technik beschäftigen. Wenn digitale Produkte klar gestaltet sind, sparen wir Zeit. Wir verstehen schneller, was zu tun ist. Wir kommen besser durch den Tag. Das ist keine Spielerei, das ist Alltagserleichterung und genau so sollte jedes digitale Produkt gestaltet sein.
Ich finde, das Leben ist zu kurz, um sich durch schlechte Interfaces zu quälen. Darum schreibe ich. Darum frage ich immer wieder: Geht das nicht auch einfacher?
Fazit: Klartext statt Klickfrust
Mein Warum kommt nicht mit Trara daher. Es geht nicht um Weltrettung. Es geht darum, digitale Produkte so zu gestalten, dass sie leichter zu bedienen sind, auch wenn sie komplex sind. Mit klarer Sprache und durchdachten Interfaces trage ich meinen kleinen Teil dazu bei, dass digitale Produkte verständlicher, zugänglicher und alltagstauglicher werden.

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4 Kommentare zu „Mein Warum als UX Writer“
Mega, liebe Inge,
jetzt, nach dem Lesen deines „Warums“ verstehe ich wirklich, was du machst 🙂
Vielleicht hat mich vorher der Anglizismus, der mit deinem Beruf „UX-Writer“ einhergeht, eher abgeschreckt und sich daher nicht in meine Erinnerung eingeprägt?
UX = user experience = Nutzerfreundlichkeit.
Sodele, einmal aufgeschrieben, merke ich mir das nun hoffentlich endlich, lach.
Ich bin eine Anwenderin und Bedienungsanleitungen waren mir schon immer ein Graus. Anmachen, loslegen, losfahren, damit arbeiten – so mag ichs am liebsten. Intuitive Bedienung eben. Und jetzt verstehe ich erst, dass es Menschen wie dich dafür braucht(e)!
Großartig!
Weiter so!
Und deinen genauen Blick, das Hinschauen, Suchen und Finden, das schätze ich ja definitiv inzwischen, zwinker 😉
Herzliche Grüße
Gabi
Ich schmeiß mich weg, liebe Gabi. Du hast auf so vielen Ebenen ins Schwarze getroffen!
Ironie des Schicksals: UX ist ein erklärungsbedürftiger Begriff für etwas, das Dinge einfacher machen soll. Und dann werde ausgerechnet ich UX Writer, obwohl ich Anglizismen meide. Der Witz? Eigentlich bin ich Content Designerin. Aber im Deutschen bleibt bei „Content Designer“ eben nur Content hängen. Und zack, bin ich in der falschen Schublade. Deshalb muss das UX davor.
Das hat ein paar Denk-Runden gebraucht, bis ich all das für mich klar hatte.
Wie schön, dass UX jetzt für dich greifbarer ist. Und ja, suchen, genau hinschauen, finden. Das ist nicht nur Methode, das bin auch einfach ich. Zwinker zurück 😉 und freu.
Herzliche Grüße
Inge
Liebe Inge! Es ist schön, dein „Warum“ zu lesen. Ich finde deine Arbeit unglaublich wichtig: wie eine Übersetzung, die Barrieren abbaut. Dein Leitsatz „Make it easier“ bringt das wunderbar auf den Punkt.
Viele Grüße
Helena
Danke dir, liebe Helena! Das Bild mit der Übersetzung, die Barrieren abbaut, gefällt mir sehr. So hab ich’s noch nie formuliert, aber es trifft es gut. Und freut mich, dass „Make it easier“ das transportiert. Ich war mir anfangs nicht sicher, ob Englisch auf der deutschen Website funktioniert.
Herzliche Grüße
Inge