Ein guter Text beginnt mit einem „shitty first draft“, sagt Anne Lamott in „Bird by Bird“. Sie macht damit einen klaren Schnitt zwischen dem Erstentwurf und den Phasen des Überarbeitens.
Im Erstentwurf ist beim Schreiben alles erlaubt, was ausgesprochen befreiend ist. Ich schreibe frei von der Leber und nach dem Motto Perfektio-nichts-mus*. Dabei bringe ich was aufs Papier (bzw. in eine Datei), ohne den Anspruch zu haben, dass es gleich gut oder gar perfekt sein müsste.
Rechtschreibfehler? Roter Faden? Präzise Terminologie? Alles erst einmal nebensächlich. Denn mit diesem Ansatz gelingt ein erster Entwurf, der zwar unvollkommen ist, den ich aber kontinuierlich Schritt für Schritt verbessern kann. Statt Kopfkino habe ich nach dem Schreiben des „shitty first drafts“ Material, mit dem sich arbeiten lässt. Das Ganze ist ein Prozess.
Sprache ist die Grundlage meiner Arbeit als UX Writer und Schreiben gehört zu jedem Online-Business dazu. Und weil niemand aus dem Stand makellose Texte schreibt, lasse ich mir gerne von ein paar coolen Tools helfen. In diesem Blogpost habe ich 5 kostenlose Sprach-Tools zusammengestellt. Manche vereinfachen die Schreibarbeit und andere eröffnen kreative Räume. Bei einigen Tools gibt es auch eine Premium-Version mit mehr Features. Darum soll es hier jedoch nicht gehen.
LanguageTool: Texte verbessern
Der „alte Hase“ in Sachen Tools für die Prüfung deutscher Texte ist LanguageTool. Es gibt’s seit 2003 und da es Open Source ist, sind die dazugehörigen Dateien in der GitHub-Repository.
LanguageTool prüft die Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung, unter anderem für Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. Als Nutzer hat man 3 Möglichkeiten, das Tool zu nutzen:
- Erweiterung im Browser
- Auf dem Desktop (macOS und Windows)
- Online (Text kopieren und einfügen oder Word-Dokument hochladen)
Korrekturlesen in Echtzeit
Ich nutze die Erweiterung in Firefox und Chrome. Ob hier in WordPress, auf LinkedIn oder in einem anderen Online-Dienst: Das Tool prüft in Echtzeit, während ich tippe. Rechtschreibfehler? Komma vergessen? Solche Dinge zeigt das Tool gleich an. Das ist benutzerfreundlich und fügt sich nahtlos in den eigenen Workflow ein.
Nicht immer ist das Angezeigte ein Fehler, aber das Aufploppen bringt einen dazu, noch einmal genauer hinzusehen. Und das ist immer gut.
In der Online-Version (unter Nr. 3 verlinkt) kopiert man seinen Text rein und lässt es korrigieren oder umschreiben. Das ist mir zu umständlich. Zudem habe ich mit dem Umschreiben experimentiert und mir waren die Ergebnisse nicht präzise genug.
Ersetzt LanguageTool ein professionelles Lektorat?
Findet LanguageTool alle Fehler? Nicht ganz. Und manchmal wird ein Fehler angezeigt, der keiner ist. Mit WordPress scheint es zudem einen Bug zu geben, den das Team bisher nicht beheben konnte. Das Tool setzt manchmal nach einer Weile aus. Vielleicht schreibe ich das Team noch einmal an. [UPDATE: Die kostenlose Version prüft nur bis zu x Zeichen und setzt dann aus. Daher habe ich jetzt die Pro-Version gekauft. Auch das ist ein UX-Fail, denn eine einfache Meldung à la „Limit erreicht“ würde bei Usern für Klarheit sorgen und nebenbei sicher zu mehr zahleneden Kunden führen.]
Auch wenn das Tool viele Fehler erkennt, kann es keine stilistischen Feinheiten oder inhaltliche Logik überprüfen.
Lektorieren ist eine komplexe Aufgabe. LanguageTool ist ein gutes Hilfsmittel, das ich nicht missen möchte, ersetzt aber kein professionelles Lektorat. Wer einen Text will, der stilistisch rund, in sich schlüssig und auch fehlerfrei ist, beauftragt einen Lektor.
Duden: Wörter nachschlagen
Der Online-Duden ist ein Klassiker und online genauso wertvoll wie in Buchform. Ob Schreibweise, Bedeutung oder Herkunft eines Wortes – hier bekomme ich schnell verlässliche Antworten.
Besonders praktisch: Mit der Online-Version kann man auch verschiedene Schreibvarianten prüfen und nachschauen, ob ein Wort veraltet oder umgangssprachlich ist. Gerade bei kniffligen Begriffen ist der Online-Duden ein echtes Muss. Und ganz ehrlich – manchmal stöbere ich einfach aus purer Neugier darin. Sprach-Nerd halt.
In der Tech-Brache gibt es besonders viele Anglizismen. Meine Muttersprache ist Englisch und ich versuche beide Sprache stets getrennt zu halten. Soll heißen: Wenn ich etwas schreibe, soll es weder „Denglisch“ noch „Germish“ sein. Bevor ich also im Deutschen ein Wort nutze, das aus dem Englischen kommt, schaue ich erst nach, was im Duden steht. Und ich bin immer wieder richtig baff, wie viele englische Wörter mittlerweile im Duden stehen.
TIPP:
Für manche Worte gibt es verschiedene Schreibweisen, du solltest dich für eine entscheiden. Lege ein Glossar an und dokumentiere darin deine Entscheidungen. So hast du ein Nachschlagwerk für die Zukunft und sorgst für Konsistenz auf deiner Website.
Duden-Mentor: Texte prüfen
Grammarly ist der Platzhirsch, wenn es darum geht, Texte in englischer Sprache zu überprüfen. Zum Glück gibt’s mittlerweile auch Alternativen für die Prüfung deutscher Texte. Der Duden-Mentor gehört dazu und ist die offizielle Rechtschreib- und Grammatikprüfung des Duden-Verlags.
Das Ganze läuft online und das Tool ist seit 2019 im Netz. Man kopiert seinen Text rein und ähnlich wie bei LanguageTool, prüft es den Text auf Fehler. Ohne Nutzerkonto hat man maximal 500 Zeichen, nicht gerade viel. Die kostenlose Version reicht jedoch für einfache Prüfungen. Ich nutze es zum Beispiel, wenn ich einen bestimmten Satz oder Absatz prüfen möchte.
Gefundene Fehler werden markiert, und zwar alle im knalligen Dudengelb, autsch! Dazu gibt es Kommentare und Beispiele – mal hilfreich, mal nicht so. Auch wenn das Tool super ist, mir ist es zu viel gelb und ich bin immer froh, wenn ich die Seite wieder schließen kann.
Phrasen.com: Redewendungen
Ich nutze gerne bildhafte Sprache, es ist ein schönes Stilmittel und macht Texte lebendiger. Vor allem Metapher und Redewendungen haben das Potenzial, Bilder im Kopf des Gegenübers zu erzeugen. Man malt gewissermaßen mit Worten Bilder.
Die Website Phrasen.com ist für beides eine echte Fundgrube. Mal gebe ich was Englisches ein, um die deutschsprachige Entsprechung zu finden. Mal suche ich gezielt nach einem deutschen Stichwort und bekomme eine Liste mit passenden Redewendungen. Fazit? Mega!
Woxikon: Synonyme finden
Synonyme sind Wörter mit gleicher Bedeutung. Der Clou? Sie sind nicht immer 100 % deckungsgleich, sondern unterscheiden sich in feinen Nuancen.
Ob Substantiv, Adjektiv oder Verb, mit Woxikon findet man Synonyme für alle möglichen Wörter. Du gibst ein Wort ein und es werden zahlreiche Synonyme angezeigt. Besonders anwenderfreundlich ist, dass die Synonyme nach Bedeutungsgruppen sortiert sind. Das Tool hat noch weitere Funktionen, ich nutze es allerdings ausschließlich für die Suche nach ähnlichen Alternativen für häufig verwendete Wörter.
Ein kleines, aber feines Tool für alle, die mit Sprache arbeiten – oder die einfach vermeiden wollen, dass in einem Text 3 Mal hintereinander „wichtig“ steht.
Der iterative Ansatz beim Schreiben
Vergleicht man das Schreiben mit der Arbeit eines Schreiners, dann ist alles, was nach dem „shitty first draft“ kommt, wohl das viele, viele Schleifen.
Noch spannender finde ich die Parallele zum iterativen Prozess, der in der agilen Produktentwicklung benutzt wird. Dabei wird ein Produkt so lange weiterentwickelt, bis die gewünschte Qualität erreicht ist.

Genau genommen ist auch das Schreiben ein iterativer Prozess, der verschiedene Phasen durchläuft. Es werden in diesem Zusammenhang nur andere Wörter benutzt, wie Korrekturlesen, Redigieren oder Lektorieren.
Ob Buch oder Blogpost, ob Zeitungsartikel oder Bedienungsanleitung – zwischen dem „shitty first draft“ und der Veröffentlichung durchläuft ein Text mehrere Zyklen der Überarbeitung, bis die gewünschte Qualität erreicht ist.
Das Schreiben ist ein iterativer Prozess, genau wie die agile Produktentwicklung.
Fazit: Mit den richtigen Tools ist der Prozess der Überarbeitung einfacher
Auch Texte beginnen mit einem „shitty first draft“ – ein unvollkommener Entwurf, der kontinuierlich verbessert wird. Diese 5 Sprach-Tools helfen mir, Texte zu optimieren, Fehler zu vermeiden und Abwechslung in Formulierungen zu bringen. Sie haben ihren festen Platz in meinen Arbeitsalltag und sind als Lesezeichen im Browser gespeichert.
Klarheit in der Sprache ist essenziell für UX Texte sowie für Texte im Online-Business-Kontext.
Falls du diese Tools bisher nicht kennst, probiere sie aus. Vielleicht werden sie auch für dich unverzichtbar und landen als Lesezeichen in deinem Browser.
*Wortkreation von Franzi Blickle

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6 Kommentare zu „Dein „shitty first draft“ steht? 5 Sprach-Tools für die Überarbeitung“
Ich arbeite auch mit diesen Tools, Language-Tool in der Premium-Version.
Was ich neu auch verwende, ist ChatGPT, um nach Löchern oder Unklarheiten zu forschen. Da bin ich immer wieder erstaunt, was mir angegeben wird. Manchmal finde ich, übernehme ich sicher nicht, ein bisschen soll Leser:in auch noch denken, andere Male frage ich mich, warum ich diese inhaltliche Lücke nicht selbst bemerkt habe.
Ja, ChatGPT kann ein guter Sparringspartner sein. Ich frage mich allerdings auch: Was macht es (langfristig) mit unserem eigenen Können und Kreativität? Daher ist es hier nicht gelistet. Woxikon und Phrasen.com fördern zum Beispiel das Sprachgefühl und die eigene Kreativität. Man erweitert damit sein sprachliches Spektrum.
Liebe Inge,
danke für diesen super hilfreichen Artikel! Ich kenne und nutze das LanguageTool in der Premium Version, es ist super. Woxikon und Phrasen kannte ich noch nicht. Zusätzlich nutze ich Deepl Write, um besonders englische Texte zu verbessern.
Hallo liebe Marianna,
das freut mich sehr, das was Hilfreiches dabei ist. Texte lassen sich ja immer verbessern. Viel Vergnügen beim Schmökern auf Woxikon und Phrasen.com, das sind echte Fundgruben und die Tasse Tee dazu lohnt sich sicher. Und ja, finde ich auch, DeepL liefert gute Ergebnisse.
Viele Grüße
Inge
Danke für die hilfreichen Tools. Habe mir die Links gleich abgespeichert. Überhaupt finde ich deinen Blog sehr hilfreich. Herzlichen Dank für die vielen Tipps!
Hallo liebe Birgit, es freut mich sehr, dass was Nützliches dabei ist!
Herzliche Grüße
Inge