Tech-Texte und -Bücher redigieren, Inhalte für Websites schreiben, Claims entwickeln, texten, bloggen und auch übersetzen – das durfte ich alles schon machen. Der eine gemeinsame Nenner liegt auf der Hand: das Schreiben. Der andere weniger: Die Technologie steht nicht im Vordergrund. Gelegentlich gibt es mal ein ausgefallenes Content Management System oder ein Lokalisierungstool wie Smartling oder Lokalise. Aber in der Regel reichen Microsoft Word oder Google Docs, um den Job zu erledigen.
Als UX Writer ist das eine andere Geschichte.
Beim UX Writing dreht sich alles um das Schreiben für digitale Schnittstellen. Das kann ein Produkt für ein Tech-Unternehmen sein, wie eine App, SaaS oder eine andere Software. Und es kann auch die Website eines Solo-Selbstständigen oder größeren Unternehmens sein. Bei der Arbeit kommen etliche Tech-Tools zum Einsatz.
UX ist aber nicht nur ein Werkzeugkasten. Es ist eine Denkweise, eine Einstellung. Um den Versuch, digitale Produkte vorausschauend zu entwickeln.
In diesem Beitrag gebe ich dir einen Einblick in meinen Mac und die Programme, die ich als UX Writer immer offen habe.
1. Wireframes: Figma
UX Writing wird in Figma gemacht, das Nummer 1 Tool in Sachen UI Design. Es ist cloudbasiert und plattformunabhängig, sprich: mit Mac, Windows und Linux nutzbar. Wer das lieber mag, kann auch die Desktop-App nutzen.
Figma ist das Google Docs für kollaboratives kreatives Arbeiten.

Man kann in Echtzeit zusammenarbeiten, also synchron mit mehreren gleichzeitig an einer Datei arbeiten. Das macht es zu einem idealen Werkzeug für Unternehmen jeder Größe: Start-ups, mittelständische und große Unternehmen.
Designer entwickeln in Figma die Prototypen, die später zu den eigentlichen Seiten einer App oder Website werden, einschließlich Buttons, Farben, Bildern und, ja, auch Text. Im Idealfall arbeite ich als UX Writer von Anfang im Tandem mit dem Design-Team.
Als UX Writer arbeite ich direkt in den Wireframes, um Microcopy zu schreiben, Texte anzupassen und zu sehen, dass alles im Kontext passt und über die User Journey stimmig ist. Das ist der große Unterschied zur Arbeit in einem Word- oder Google-Dokument, wo es kein Design gibt.
Wie kam es zu dem Namen „Figma“? Die Gründer träumten davon, eine Art Google Docs für UI Design zu entwickeln, hielten es aber anfangs für eine Spinnerei – auf Englisch „figment“.
Die Hürde zum Loslegen ist niedrig, es gibt eine kostenlose Version. Figma hat das Designen grundlegend verändert, und das UX Writing auch.
2. Google Docs und Tabellen

Eine klare Schreibstimme schafft Wiedererkennungswert und stärkt die Marke. Die einheitliche Verwendung von Wörtern und Schreibweisen ebenso. Um einen guten Überblick zu haben, wird das Ganze im Styleguide und Glossar dokumentiert.
Der Styleguide „lebt“ in einem Google Doc, das Glossar in einer Google Tabelle. Auch sie sind cloudbasiert, plattformunabhängig und ermöglichen die Zusammenarbeit in Echtzeit. Das macht sie Zusammenarbeit über Teams hinweg – insbesondere Marketing – sehr, sehr einfach.
3. Videokonferenzen: Zoom und Google Hangouts

Auch als Selbstständige ist UX Writing natürlich ein Teamsport. Ich muss in regelmäßigem Kontakt mit dem Produkt-Team des Kunden stehen. Manchmal auch darüber hinaus, z. B. dem Marketing-Team, dem Lokalisierungsteam oder der Rechtsabteilung. Sei es, um mir einen Überblick über die Schreibstimme und die Tonalität des Produkts zu verschaffen, durch einen Flow geführt zu werden oder bei international tätigen Unternehmen, die rechtlichen Feinheiten für das deutsche Produkt zu besprechen.
Besonders hilfreich ist es, die Anrufe aufzeichnen zu können, vor allem um noch einmal zurückgehen zu können und Details zu klären.
4. Jira

Mit Jira lassen sich Projekte effizient in einzelne Aufgaben aufteilen und so sortieren, dass das gesamte Team im Blick hat, was bereits erledigt ist, was derzeit ansteht und was in der Pipeline (Backlog) ist.
Auch als UX Writer ist das hilfreich. Über die Tickets sehe ich, welche weiteren Ressourcen es gibt, und finde die Links zum richtigen Design. Im Zweifelsfall kann ich im Ticket auch sehen, wer Ansprechpartner für bestimmte Details ist und auch selbst wichtige Informationen hinterlegen. So ist alles Wichtige an einer Stelle. Es macht Projektmanagement und die Zusammenarbeit leicht.
Ticket für Ticket im Board nach rechts in Richtung „erledigt“ zu verschieben, das ist auch einfach motivierend, macht Laune.
5. Loom
Das A und O beim UX Writing ist immer der Kontext. Oft reicht eine schriftliche Beschreibung dessen, was benötigt wird, einfach nicht aus oder wird schnell kompliziert. Deshalb liebe ich Loom. Damit kann ich meinen Bildschirm teilen und zusammen mit Webcam und Mikrofon aufzeichnen, wobei das Bild von mir klein in der Ecke ist. Das macht’s persönlich und die Botschaft hat einen visuellen Kontext.
Das geht in beide Richtungen: Der Kunde und ich können schnell und unkompliziert was zeigen, erklären, Ideen austauschen oder auch Feedback geben.
6. Google Slides
Als UX Writer gehört das Teilen von Vorschlägen à la „Original und Änderung“ zum Tagesgeschäft (siehe Bild unten). In Figma kann man natürlich duplizieren und auch kommentieren, aber je nach Situation und Stakeholder ist es manchmal am einfachsten den klassischen Weg zu gehen: Screenshot des Designs machen, in eine Folie einfügen (links) und rechts daneben den vorgeschlagenen Text zu schreiben. Am besten markiert, wie hier mit dem ✅.
Der große Vorteil ist die Klarheit, und damit punktet der „Vorher-Nachher“-Stil in Google Slides.

7. Slack

Die Produktentwicklung ist ein Teamsport und entsprechend gibt es viel Austausch unter Produkt Managern, Entwicklern, Researchern, Designern und UX Writern.
Ob Diskussionen im Team, 1:1-Austausch, Fragen klären, Screenshots oder andere Dokumente teilen: mit Slack hat man die gesamte Kommunikation und alle Ressourcen übersichtlich an einem Platz.
In Kanälen wie „#UXwriting-ressourcen“ werden Styleguide, Glossar und Links zu interessanten Fachartikeln verlinkt und in „#UXwriting-beispiele“ kommen Screenshots von guten und schlechten UX Writing Beispielen, über die Team-Mitglieder stolpern.
8. Synonym-Wörterbuch: Woxikon
Ich vermute mal, dass jeder, der schreibt, diese App benutzt. Synonyme en masse, mit vielen Nuancen.
Beim UX Writing sind es oft diese 3 Situationen, die zur Suche nach ähnlichen Worten führen. Die aktuelle Wortwahl:
- ist für das Szenario nicht klar genug.
- wird bereits in einem anderen Kontext verwendet.
- das Design erfordert es – was im besten Fall nicht vorkommt, weil UX Writer schon früh mit im Boot sind.
Der Schreibtisch und die To-dos
Das Skizzieren ist oft der erste Schritt beim UX Writing, Stifte in vielen Farben und Papier liegen immer griffbereit. Ein leeres Blatt ist ein guter Platz, um Ideen – unzensiert, ungeordnet und unordentlich – erst einmal für mich festzuhalten.
Weiter Tools, die ich auf dem Schirm habe, die aber bislang nicht Teil meiner Toolbox sind:
- FigJam für schnelles Wireframing.
- Writer, um den Prozess der Styleguide-Erstellung zu optimieren. Das Tool lässt sich auf Figma, Google Slides und GDocs usw. anwenden.
- UserTesting, um Feedback zu bekommen, Nutzer besser zu verstehen und so bessere Produkte zu entwickeln.
Fazit
Ob Wireframes oder Prototypen: Um UX Writing im Web-/App-Produktionsprozess zu handhaben, sind zahlreiche Tech-Tools unentbehrlich.
Habe ich die wichtigsten Tools genannt? Möchtest du etwas ergänzen? Teile dein Input gern in den Kommentaren.
Benötigst du Unterstützung beim UX Writing? Schreibe mir gerne eine Nachricht.







