Klarheit vs. Kürze. Wer gewinnt?

Wer gewinnt

Der Clou bei UX Writing? Inhalte von Digitalprodukten so zu platzieren und schreiben, dass User bei der Nutzung nicht nachdenken müssen. Mit Wörtern, die wie von selbst direkt und elegant zum Ziel führen.

Liegt die Würze immer in der Kürze?

Ob Headline, Text oder Button – die Kürze ist etwas, das UX Writer dabei immer im Blick haben.

Wer gehört bzw. gelesen werden möchte, tut gut daran, auf den Punkt zu kommen, insbesondere bei digitalen Produkten. Denn meist möchten Nutzer einer Website oder App nicht viel Text lesen, sondern einfach nur das erledigen, wofür sie gekommen sind.

Doch auf den Punkt zu kommen bringt wenig, wenn dabei Kontext verschwindet, der für das Verstehen wichtig ist. Je leichter du es deinen Nutzern machst, Content auf Anhieb zu verstehen und beispielsweise die gesuchten Informationen zu finden, desto besser.

Es passiert schnell, dass man sich zu sehr auf die Reduzierung der Wortzahl fixiert und kürzt, kürzt, kürzt.

Wichtiger als auf den Punkt zu kommen ist allerdings die Verständlichkeit. Viele nehmen an, dass Klarheit durch Kürze entsteht. Das kann stimmen, aber eben nicht immer. Es gibt Situationen, in denen du definitiv mehr Wörter verwenden solltest, um Inhalte verständlich zu machen.

Das wirft die Frage auf, wie viele Worte nötig sind. Es kommt natürlich darauf an. Du solltest immer so viele Wörter verwenden, wie du brauchst, um klar zu sein. Wenn das bedeutet, 24 statt 16 Wörter zu benutzen, dann nutze 24 Wörter.

Kürze und Klarheit, ein Beispiel

Logo: Slack

Setting: Nehmen wir an, du musst ein Meeting absagen. Alle 17 Teilnehmer sollen über Slack darüber informiert werden. Das Meeting war schon lange geplant und ist für alle Beteiligten wichtig. Es wird daher auf jeden Fall einen neuen Termin geben.

Wie kann die Botschaft auf den Punkt geschrieben werden?

1. Variante: so kurz wie möglich

Die kürzeste Nachricht ist:

Meeting abgesagt.

2 Wörter, kurz und auf den Punkt. Die Person, die die Nachricht erhält, weiß sofort, dass sie nicht zum Meeting kommen muss. Aber! Es fehlen wichtige Informationen und das Ganze wirkt zudem ein wenig plump. Diese Nachricht führt auch unweigerlich zu Nachfragen, die wiederum Zeitfresser sein können, weil du immer wieder mit der Kommunikation beschäftigt bist.

2. Variante: länger

Du könntest sprachliche Elemente hinzufügen und die Nachricht umgangssprachlicher machen:

Das Meeting für heute Vormittag um 11 Uhr wird abgesagt. Entschuldige bitte die Unannehmlichkeiten, die daraus entstehen.

Diese Version ist um einiges länger, aber keinesfalls informativer oder hilfreicher als die erste. Das Mehr an Worten bietet hier keinen Mehrwert für den Empfänger. Es sind Füllwörter.

3. Variante: noch länger, mit mehr Informationen

Ein anderer Ansatz könnte sein, weitere Details zu mitzuteilen:

Das geplante Meeting für heute um 11 Uhr wird aufgrund unvorhersehbarer Umstände abgesagt. Sobald der neue Termin steht, wirst du informiert.

Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Die Informationen sind hilfreich. Allerdings ist es zum Teil noch schwammig. Zudem werden mehr Wörter genutzt, als notwendig sind, um zu sagen, was gesagt werden muss. Ist der Grund für die Absage eine Priorität? Eher nicht.

4. Variante: etwas kürzer, mit präzisen Informationen

Neben der Absage ist für den Empfänger auch die Antwort auf diese Frage nützlich: Was passiert als Nächstes? Das könntest du so formulieren:

Das heutige Meeting um 11 Uhr wird abgesagt. Wir senden morgen Vormittag eine neue Kalendereinladung mit Datum und Uhrzeit.

Absage und nächster Schritt, super. Die Sprache ist klar und die Nachricht konkret und schnell zu erfassen.

Um auf den Punkt zu kommen, frage dich: Welche Teile des Textes helfen den Nutzenden, ihr Ziel zu erreichen? Streiche alles andere.

Ein Aspekt der Klarheit ist zudem, kürzere Wörter zu benutzen, die leicht zu verstehen sind. Gerade im Deutschen ist es gut, die Wortlänge immer im Blick zu behalten. Denn im Vergleich zum Beispiel mit Englisch, sind sie generell um einiges länger.

Priorisierung der Klarheit

Ob Klarheit oder Kürze wichtiger ist, hängt immer vom Kontext ab und variiert je nach Kommunikationsziele und Zielgruppe. Die Klarheit über die Kürze zu priorisieren, ist in folgenden Situationen wichtig:

  • Genauigkeit
    Stelle sicher, dass deine Botschaft eindeutig ist. Gib genau so viele Details und Erklärungen wie nötig, um Missverständnisse zu vermeiden. Nicht mehr.
  • Unkenntnis
    Wenn der User nicht mit dem Thema vertraut ist oder wenn Nutzer verschiedene Levels an Know-how haben, dann kann eine gründliche Erklärung besser sein als eine kurze.
  • Fehlkommunikation
    Zu sehr auf den Punkt zu kommen kann dazu führen, dass zu sehr vereinfacht wird. Das kann zu Missverständnissen führen oder Kommunikationsschleifen nachziehen. Kommuniziere so viel wie nötig. Eine klare und detaillierte Kommunikation hilft, Missverständnisse zu minimieren.

Die Devise ist: so viel Text wie nötig, so wenig wie möglich.

Fazit

Auf den Punkt zu kommen heißt nicht, so wenige Wörter, wie möglich, zu verwenden. Es bedeutet alles Wesentliche zu liefern, aber eben nicht mehr.

Eine zu starke Kürzung kann zu Missverständnissen und Uneindeutigkeit führen. Die Klarheit steht an erster Stelle, Nutzer sollen Texte auf Anhieb verstehen.

Konzentriere dich nicht so sehr darauf, auf den Punkt zu kommen, sondern darauf, die richtige Menge an Wörtern zu verwenden, damit deine Inhalte klar und hilfreich sind, und Nutzer es leicht haben. Manchmal ist mehr die erste Wahl.

Hashtag Team UX

Inge Bateman

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👩‍💻 5+ Jahre UX Writer und Strategin
✍️ Davor 3+ Jahre Texten und Marketing im Bereich Tech
👩‍⚕️ Davor 10+ Jahre Therapeutin
🤹 Know-how: UX Writing, Content Design, Webdesign, Usability
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