Eigentlich habe ich es nicht so mit Neujahrs-Vorsätzen oder ein Motto fürs Jahr. Doch dann fiel mir auf, dass eine Frage immer wieder aufploppt, und zwar bereits seit dem Herbst und bei jedem Griff im Büro, Haus und Garten: Brauchst du das noch?
Aha! Es scheint also mal wieder Zeit zu sein, Tabula rasa zu machen, Hab und Gut zu hinterfragen und Ballast konsequent abzuwerfen.
2025 wird mein Jahr des bewussten Weniger. Mit dem Leitsatz „Elementar? Dann yeah!“ will ich materielle Gegenstände in meinem Leben bewußt hinterfragen. Die Spreu vom Weizen trennen. Schauen, ob ein Gegenstand grundlegend und wesentlich für mein Wohlbefinden ist, oder nicht (mehr). Dabei Überholtes konsequent verabschieden und das Elementare behalten und be-yeah-en.
Ein Experiment …
Ausmisten bringt Freude und Energie. Ich kenne das so, dass das Reduzieren aufs Elementare auch einen inneren Wachstum an unerwarteter Stelle mit sich bringt.
Ich frage mich, ob weniger materieller Kram auch auf das Business eine ähnliche wachstumsfördernde Wirkung hat. Oder bremse ich damit was aus? Wenn ja: In welchem Ausmaß? Ist das eine relevante Größe? Es ist gerade mein Thema und liegt mir am Herzen, also folge ich dem Impuls und werde bald mehr wissen. Im Zweifelsfall habe ich auf jeden Fall was Sinnvolles gemacht, weniger Kram und mehr Freiheit.
Es ist nicht das Mal, dass ich mein Hab und Gut reduziere. Allerdings ist das letzte Mal schon eine ganze Weile her und war eher eine Hauruck-Aktion. In der Vergangenheit schuf das Weniger an materiellen Dingen mehr Freuraum – ein Vertipper, den ich unbedingt stehenlassen muss – im Geist. Meine Vermutung? Beim Ausmisten von Materiellem werden auch innerliche Business-Prozesse angestoßen. Es entsteht Raum für mehr Klarheit und Kreativität. Ein Raum, der Perspektivenwechsel ermöglicht, in dem sich neue Ideen zeigen und der Nährboden für Wachsen in neue Richtungen sein kann. Das ist verlockend.
Deshalb lautet mein Experiment und Motto für 2025:
„Elementar? Dann yeah!“
Das erste Mal? Ein Leben in 5 Kubikmeter
Als ich im VW T2 lebte, war alles, was ich besaß, in diesem orangefarbenen Bus mit knallgelben Gardinen: Klamotten, Kochsachen, Teller & Co., Schreibsachen, Bücher, Bettzeug und die wichtigen Papiere wie Ausweis. Und natürlich die Wasserkanister. Lediglich 4 Bananenkisten mit meinem restlichen Besitz waren bei einer Freundin in ihrer Scheune gelagert. Alles andere hatte ich vor dem Einzug in mein mobiles Zuhause rigoros aufs Elementare reduziert. Entweder verschenkt oder verkauft.
Die (analoge!) Kamera – eine Nikon F-301 – gehörte zu den Dingen in den 4 Kisten in der Scheune. Daher habe ich fast keine Fotos aus dieser Zeit. Eins davon ist das hier. Das kleines Holzhäuschen daneben sollte übrigens das darauffolgende Zuhause werden.

Diese Reduktion auf das Wesentliche schubste etliche Prozesse an und brachte Leichtigkeit in mein Leben. In den fünf Kubikmeter des Bullis war alles, was für mich von Bedeutung war. Mehr brauchte ich nicht. So lebte ich 1,5 Jahre und die damit verbundene Freiheit war ein starkes Lebensgefühl. Dann kam ein RICHTIG kalter Winter – minus 18 Grad – und ich entschied für mich: Die Winter in Deutschland sind zu kalt, um dauerhaft im Bus zu leben. Ich suchte mir ein neues Dach über den Kopf und eröffnete meine Praxis.
Heute bräuchte ich einen LKW für einen Umzug
Ein Transporter würde schon lange nicht mehr für den Umzug reichen. Es hat sich so viel Zeug angesammelt. Alles will verstaut, geputzt, verwaltet und gepflegt werden wollen. Ob’s der 1.000 m³ große Garten ist, der nicht zum Urwald werden soll oder das Haus, in dem es keine vollgestopfte Abstellkammer gibt, sondern ein ganzes Zimmer, das mit ggrrr „Rumpelraum“ genannt wird. In den 10 m³ sind im Laufe der Zeit (zu) viele Dinge geparkt worden, die eventuell noch gebraucht werden könnten.
Trotz aller Annehmlichkeiten eines Hauses mit Garten frage ich mich, ob diese Dinge irgendeine Bedeutung haben. Ist nicht weniger mehr? Im Sinne von: Mit weniger Kram schaffe ich mehr Raum für das Wesentliche im Leben?
Dazu kommt ein für mich entscheidender Faktor. Mit dem Internet ist die Welt im Laufe der letzten 20 Jahren so viel komplexer geworden. Spätestens seitdem es Einzug in unsere Hosentaschen gefunden hat, erlebe ich es als enorme Ablenkung. Permanent zubbelt was an meiner Aufmerksamkeit. Passe ich nicht auf, klaut es sich klammheimlich meine Zeit und meinen Fokus. Dabei sind die vielen Apps, Websites und sozialen Medien am Ende nur Mittel zum Zweck.
Mir ist so, als ob ich – und wir? – nach allen Seiten gezerrt werden und vieles verschlingt Zeit, ohne mehr Lebensqualität zu bieten. Ich möchte mehr Einfachheit und Klarheit, und zwar sowohl im Leben als auch im Business.
Elementar? Dann yeah! Wie ich dieses Motto 2025 mit Leben füllen werde
Dieses Motto bedeutet für mich diese 3 Dinge: reduzieren, vereinfachen und wachsen.

1. Reduzieren: die Lust am Ausmisten wiederentdecken
In meinem Job als UX Writer weiß ich genau, wie wichtig es ist, Dinge auf das Wesentliche zu reduzieren. Klarheit ist alles und ich habe eine echte Leidenschaft für diese Arbeit innerhalb der Produktentwicklung.
Gerade besonders komplexe digitale Produkte profitieren vom gezielten Weglassen. Google und Apple – beide Tech-Pioniere in Sachen UX – sind tolle Beispiele dafür. Die Produkte wirken scheinbar schlicht, sind jedoch echte Power-Pakete. Das ist kein zufälliges Ergebnis, dahinter stehen ganze UX-Teams, die nichts anders tun, als sich um die Themen UX und Usability zu kümmern. Die Abkürzung UX steht für User Experience und bedeutet so viel wir Nutzererfahrung. Es geht darum, digitale Produkten (Apps, Software, Websites) so zu entwickeln, dass die für USer mühelos zu verstehen und benutzen sind. Und zwar egal wie komplex sie sein mögen.
Warum sollte das nur im Beruf gelten? Privat will ich unnötigen Kram loswerden – Dinge, die ich nicht brauche und keinen Mehrwert bieten, Gewohnheiten, die mich nicht weiterbringen und auch digitale Dinge. Es soll kein schnellstmöglicher Aufräum-Sprint werden, sondern ein Aufräum-Prozess im richtigen Tempo, Schritt für Schritt.
Mit dem Ausmisten kommt der Perspektivenwechsel.
Die Regeln, nach denen ich ausmiste, sind:
- Was ich nie oder nur „irgendwann“ verwende, kann weg
- Was negative Gefühle oder Erinnerungen erzeugt, das kann weg
- Was eine Belastung ist, das kann weg
Ich werde jeden Tag 3 Dinge aussortieren. Das kann Materielles sein, aber auch Digitales (twitter, heute X, jetzt bist du fällig, Meta, du vielleicht auch). Das macht 1095 Dinge im kommenden Jahr, ui! Statt Hauruck und Zimmer für Zimmer, werde ich das im Alltag integrieren. Sprich: Öffne ich eine Schublade, um was rauszuholen, dann wird der gesamte Inhalt gecheckt. Ziehe ich ein Buch aus dem Regal, wird das Regal durchgegangen. Da ich kein Freund davon bin, Gutes in die Tonne zu hauen, teile ich das materielle Aussortierte in diese 4 Kategorien:
- verschenken (bei schönen Sachen)
- für wohltätige Zwecke spenden
- mit Absicht verlieren (ich liebe diese Kategorie!)
- Unbrauchbares an der Müllkippe entsorgen und dabei trennen, damit Wertstoffe weiterverwendet werden können (Papier, Metall, usw.)
Mal schauen, ob ich die Dinge wirklich nachhaltig loswerden kann, ohne dass es zum zeitfressenden, nervigen Projekt wird. Sonst muss ich den Plan nochmal überdenken.
2. Vereinfachen, und zwar massiv
Im Beruf gehe ich oft den Weg der Reduktion: Texte präzise formulieren, Informationen auf das Wesentliche reduzieren. Das möchte ich auch im Alltag tun. Hierzu könnte ich eine richtig lange Liste schreiben. Aber ich will mich das auf das Wesentliche konzentrieren und das sind diese 4 Bereiche:
- Küche:
Basische Ernährung ist das, was meinem Körper guttut. Vor allem Gemüse, Reis, Buchweizen und Co. Es müssen keine aufwendigen Rezepte sein. Gedünstetes Brokkoli? Ein Traum. - Momente der Ruhe im Alltag finden:
Ich will den Atem wieder bewusst erleben und starte mit 5 Minuten am Tag. Insbesondere dann, wenn es chaotisch oder stressig ist. - Smartphone und MacBook:
Am Smartphone habe ich bereits fast alle Apps gelöscht, am MacBook für eine gute Grundordnung gesorgt. Es sind dennoch so unfassbar viele Programme, Tools, Lesezeichen, Dokumente, Extensions und Bilder auf der Festplatte. Ich werde einen regelmäßigen 1-stündigen Termin im Kalender eintragen, an dem ich die digitalen Dinge stetig weiter verschlanke. - Das Thema Umzug in mir bewegen
Es ist hier traumhaft schön – mitten im Wald, in Flussnähe und mit vielen Bäume. Nachmittags kommen die Rehe zum Naschen in den Garten. Es ist ein toller Platz, um die frische Luft zu genießen und den Wald zu erkunden. Aber pflegt man den Garten 1x von A bis Z und dreht sich um, dann sieht man, dass man grad wieder von vorne beginnen kann. Da ist die Natur unaufhaltsam, zumindest ohne Chemie. Da geht (zu!) viel Lebenszeit rein, vielleicht ist Umziehen angesagt.
„Der einfachste Weg, Einfachheit zu erreichen, führt über gut durchdachtes Weglassen.“
John Maeda, Designer und Informatiker, *1966
3. Wachsen: frische Wurzeln, starke Flügel
Bei diesem Punkt lasse ich mich vom Leben überraschen. Meine Vermutung? Indem ich physische Dinge auf Elementares reduziere und vereinfache, schaffe ich einen Nährboden für Wachstum in neue Richtungen. Persönlich, aber eben auch beruflich.
Improvisieren ist eines meiner Stärken. Bisher hat es mich allerdings von einer übergreifenden Business-Strategie abgehalten. Ich brauche wohl nicht nur eine, sondern zwei Strategien unter einem Hut. Denn ich möchte nicht nur UX Writing und Lokalisierung für Tech-Unternehmen anbieten, sondern weitere Produkte entwickeln, die ich direkt vermarkten kann.
Es geht nicht darum, weniger zu haben oder tun, sondern mehr von dem zu haben und tun, was wirklich wichtig ist. Durch das Ausmisten von Überflüssigem und Ablenkendem, kann ich mich besser auf meine Ziele konzentrieren, kreative Ideen entwickeln und das Leben und die Arbeit mehr genießen. Ich bin mir sicher: Wenn ich weniger Ballast im Leben habe, fühle ich mich yeaher.

Fazit: Hey ho, let go!
Der erste Schritt ist gemacht, die Ausmist-Aktion hat bereits parallel zum Schreiben des Blogposts begonnen. Der ganze Kram wird einfach mal hinterfragt und ordentlich entrümpelt. Elementares bleibt, der Rest geht. Ich reduziere, vereinfache und öffne Raum für das, was wirklich zählt. Und das fühlt sich gut an.
Willst du sehen, wie ich mein Motto „Elementar? Dann yeah!“ 2025 umsetze? Dann begleite mich durch das Jahr.
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Bilder: privat, Figma







7 Kommentare zu „„Elementar? Dann yeah!“ – mein Motto für 2025“
Pingback: So kannst du 2025 mit mir zusammenarbeiten
Aloha Inge,
so ein inspirierender Beitrag, bei dem sich in meinem Hirn sofort Gedanken und Pläne geschmiedet haben, I love it 😍
Deine Impulse und Gedanken sind bei mir sofort auf Zustimmung gestoßen und auch gleichzeitig auf „Hey so cool, das muss ich auch machen!“
Großen Dank dafür!
Liebe Grüße,
Jenny
PS: Ich liebe die Kategorie „Mit Absicht verlieren“ 😅
Freue mich, dass die Zeilen dich ansprechen und ein „ich auch“ auslösen, Jenny. Ja, mit Absicht verlieren, das ist auch mein Favorit. Werde in Zukunft einen kleinen Aufkleber draufkleben, mit dem Text. Dann ist es für Finder 100 % klar, dass es OK ist, das mitzunehmen.
Hallo Inge,
was für eine spannende Geschichte du mit wenig Haben und einfachem Leben hast! Von daher ist dein Motto sehr plastisch greifbar und ich bin gespannt, wie dein Weg damit in 2025 aussehen wird!
Vereinfachen ist auch ein Teil meines Jahresmottos: „dankbare Gelassenheit“. Wir haben schon im letzten Jahr erlebt, welche Kraft es hat, Prozesse zu vereinfachen, Ansprüche herunterzufahren, Perfektionismus zu entlarven und und und. Das ist einer der Punkte, die mir auf meinem Weg aus dem Burn-out geholfen haben. Und da geht’s in diesem Jahr definitiv weiter.
Viele Grüße
Heiko
Und ich erst, Heiko! Vor allem, ob das Experiment funktioniert. Freut mich, dass das Geschriebene greifbar herüberkommt. Die T2-Zeit war mir lange nicht mehr so präsent wie jetzt, das tut echt gut. Dein Motto spricht mich an. Und, dass Vereinfachen dir eine gute Hilfe war, ist klasse. Liegt irgendwie in der Natur der Sache, oder?! Wir lesen uns.
Liebe Grüße
Inge
Liebe Inge,
Das ist ein toller Beitrag, der dazu ermutigt, das Wesentliche in den Fokus zu rücken – im Leben und im Business. Besonders gefällt mir die Idee, täglich drei Dinge auszusortieren.
Die Verbindung zwischen weniger Materiellem und innerem Wachstum regt mich sehr zum Nachdenken an. Ich bin gespannt, wie dein Experiment verläuft und welche Impulse daraus entstehen.
Ich wünsche dir einen tollen Start ins Jahr 2025!
Deine
Martina
Schön von dir zu hören, Martina, und dir auch einen tollen Start ins Jahr.
Ja, 3 Dinge, das fühlt sich leicht und machbar an. Und wenn’s dann doch mal 7 oder 12 Dinge werden, ist es auch gut. Nur andersrum wär’s auf Dauer doof. Ich bin auch gespannt, wie sich das entfaltet und ob/wie sich die Theorie im Leben manifestiert.
Liebe Grüße
Inge