Dieser Artikel ist mein Beitrag zur eigenen Blogparade im Frühsommer 2025: Was schreibst du, und warum?
Was man alles schreiben kann. Einkaufszettel, Reden, Geburtstagskarten. Übersetzungen, Songs, Werbetexte oder Predigten. Bücher, Code und Rechnungen. Den Bierdeckel anschreiben.
Auch schön? Rote Zahlen schreiben. Oder Geschichte schreiben. Das machen dann wohl andere. Aber Geschichten? Die schreibe ich gefühlt schon immer. Und Briefe genauso.
Denn beim Heranwachsen waren die Briefe meine Verbindung zu Verwandten auf mehreren Kontinenten. Handgeschrieben, mit Beobachtungen, Geschichten und Fragen. Und bunten Briefmarken. Schreiben war gefühlt schon immer da. Ich mochte das Reflektieren, das Formulieren und das Spielen mit der Sprache. Damals auf Briefpapier mit Tieren oder Figuren, heute in Notizbüchern, auf Festplatten und besonders gerne auf Postkarten.
Mein erster bezahlter Text war ein Bericht über die Sedimentation in der Nordsee. Die Expeditionen nach Sylt waren natürlich super. Aber beim Schreiben schwitzte ich wie beim Abi. Ich fand’s schrecklich und großartig zugleich. Da wusste ich: Ich will professionell schreiben. Aber bitte nicht über Sedimentation.
Doch beruflich nahm ich erst einmal einen Weg, der nur auf den ersten Blick ganz anders ist.
Kommunikation bleibt Kommunikation
Im ersten Beruf habe ich als Therapeutin gearbeitet. Ein Beruf mit Sinn, Tiefe, Beziehung. Ich mochte das Zuhören, das genaue Hinschauen, den Dialog, Impulse zu geben, das Mitgehen. Und doch spürte ich irgendwann, dass etwas fehlte. Etwas Kreatives. Ich wollte nicht nur begleiten, sondern auch gestalten. Nicht nur verstehen, sondern ausdrücken. Mir wurde klar: Ich will das Schreiben in den Mittelpunkt stellen. Es war schon lange mein roter Faden, jetzt sollte es auch mein beruflicher Anker werden.
Vielleicht auch, weil Sprache für mich nie nur Schulstoff oder Werkzeug war. Ich bin in mehreren Kulturen aufgewachsen, mit drei Pässen und wechselnden Sprachen im Alltag. Erst Englisch, dann Spanisch, schließlich Deutsch. Geblieben ist das Bilinguale in Englisch und Deutsch. Doch mit Deutsch blieb es lange schwierig. Für mich klang es erst einmal schroff, blockierte meinen Spieltrieb. Diese Endlos-Sätze, das Verb am Ende, die Grammatik, alles wirkte starr und schwer. Deutsch fühlte sich mehr nach Regeln an als nach Ausdruck. Wie ein Korsett.
Ich rang daher mit der Frage: auf Englisch schreiben, auf Deutsch oder beides? Und eines Morgens war es klar: Ich will auf Deutsch schreiben und in meiner Schreibe so viel Leichtigkeit wie möglich einbringen, egal in welchem Kontext. Vielleicht war das auch ein leiser Akt der Rebellion. Sicher aber war es ein richtig gutes Ziel. Und siehe da, es sollte so ganz unerwartet Liebe auf den 2. Blick werden.
Ich nahm an kreativen Schreibkursen teil und machte eine Weiterbildung zur Online-Redakteurin. Und ich las alles zum Thema Schreiben, was ich in die Finger bekam. Ob Deutsch für junge Profis* von Wolf Schneider oder englische Bücher wie Bird by Bird* von der großartigen Anne Lamott. Und Schritt für Schritt fanden gewonnene Erkenntnisse ihren Weg in meine deutsche Schreibe.
Heute schreibe ich ausgesprochen gerne auf Deutsch. Nicht, weil es mir in die Wiege gelegt wurde. Sondern weil ich mich bewusst dafür entschieden habe. Und weil ich inzwischen kann, was mir früher so schwerfiel.
Was ich beruflich daraus machte
Wie das so ist, der berufliche Weg ins Schreiben verlief dann eher mäandernd als geradeaus. Es folgten spannende Jobs im Tech-Bereich: als Redakteurin und Texterin, als Konzepterin und Content-Strategin. Immer nah an den Devs dran. Und dann kam der Tag, an dem mir ein Kollege ein Buch in die Hand drückte: Don’t Make Me Think* von Steve Krug. „Lies!“, sagte er.
Mein Gamechanger. Ein kurzweiliges Buch, das bereits seit über 25 Jahren auf dem Markt ist und immer noch punktgenau trifft. Ob Blogger oder Dev und alle dazwischen: Ich kann es jedem wärmstens empfehlen, der auch nur entfernt mit Websites zu tun hat. Der Titel ist übrigens so aussagekräftig, dass er so auch auf der deutschen Ausgabe steht. Der Knaller, oder?!
Im Kern geht es um Web-Usability und UX, also darum, wie leicht benutzbar ein digitales Produkt wirklich ist. Das Buch hat mir gezeigt, wie viel schiefgehen kann, wenn Websites clever gemeint oder schick gemacht, aber nicht verständlich sind. Krug bringt es knackig auf den Punkt: „Wenn du willst, dass Menschen etwas tun, mach es ihnen so einfach, dass sie gar nicht erst nachdenken müssen.“ Das hat bei mir Klick gemacht. Es war der Anfang meines Wegs in die Welt von UX und Usability.
Seitdem kann ich nicht anders, als mit der UX-Brille zu schauen. Und sehe, wo digitale Dinge komplizierter sind, als sie sein müssten. Mein innerer UX-Detektiv ist gewissermaßen ständig auf Streife. Den würde ich schon auch gerne mal abschalten können. Und genau deshalb freue ich mich über meine neue Kategorie im Blog: UX-Analysen. Da kann ich Dampf ablassen. Konstruktiv, versteht sich.
Jedenfalls war klar: Ich musste beruflich tiefer in dieses Thema UX rein, also recherchierte ich im Internet. Und dann blitzte es mir wie aus dem Nichts auf dem Bildschirm entgegen, der Aha-Moment. Es gibt tatsächlich einen eigenen Beruf, der beides verbindet, das Schreiben und die UX-Welt: UX Writing! Klare Sprache, gute Struktur, bessere Nutzererlebnisse. Ich war hin und weg, wusste sofort: Das ist es!

Was mich besonders gepackt hat?
Bei UX steht der Mensch im Mittelpunkt. Genau das war schon in meinem ersten Beruf mein Antrieb, als Therapeutin zu arbeiten. Mit UX hat sich für mich damit ein Kreis geschlossen.
UX Writing zielt nicht auf clevere Wortspiele ab. Es geht darum, ein digitales Produkt so zu gestalten, dass Nutzer alles möglichst leicht finden und ihre To-dos ohne Umschweife erledigen können. Mit Klarheit und ohne Schnickschnack. Gut gemachtes UX Writing ist mehr oder weniger unsichtbar.
Einen passenden Kurs auf Deutsch gab’s damals nicht, also habe ich einen amerikanischen Intensivkurs gebucht. Eine der besten Entscheidungen überhaupt. Dort habe ich nicht nur UX Writing von der Pike auf gelernt, sondern auch Sicherheit im Umgang mit Figma gewinnen können. Das ist das Design-Tool, das heute oft bei der Produktentwicklung eingesetzt wird.
Seitdem kann ich nicht nur texten, sondern meine Ideen direkt ins Interface bringen, ohne Umwege. Das hat die Zusammenarbeit mit Designern und Devs sehr vereinfacht: weniger Missverständnisse, kürzere Wege, bessere Ergebnisse. Heute bin ich also UX Writer.
UX Writing ist Teamsport
Das brachte mich direkt in ein Unicorn-Startup – mitten rein in unzählige Produktteams als Hauptverantwortliche für alles Sprachliche im deutschen Produkt. Plötzlich arbeitete ich eng mit Designern, Devs und Produktmanagern zusammen, schrieb Microcopy, testete Varianten, feilte an Nutzerflows. Als Bonus kam noch ein neues Feld dazu: Lokalisierung. Ich lernte, wie man Produkte nicht nur übersetzt, sondern wirklich für den deutschen Markt übersetzt denkt.
Was viele nicht wissen: UX Writing passiert nicht im stillen Kämmerlein. Kein „Hier ist dein Briefing, bitte bis Freitag fertig.“ Stattdessen ist man mittendrin, zwischen Design, Produktmanagement, Entwicklung, Marketing und oft auch Legal. Es geht darum, Anforderungen zu verstehen, Fragen zu klären, Kompromisse zu verhandeln und alle ins Boot zu holen.
Wer als UX Writer arbeitet, braucht mehr als ein gutes Sprachgefühl und Figma-Kenntnisse, nämlich auch Kommunikations-Skills, zuweilen ein dickes Fell und immer Standhaftigkeit. Und das gefällt mir: nicht nur schreiben und gestalten, sondern mitdenken und im Dialog sein. UX Writing ist quasi Kommunikation auf allen Ebenen. Und zwar in einer Sprache, die für Teams tragfähig und für Nutzer klar ist.
Warum ich schreibe, was ich schreibe
Ich mag es wenn Dinge klar und transparent sind. Wenn Technik zugänglich ist. Wenn Menschen sich nicht ausgeschlossen fühlen, nur weil ein Interface zwar fancy aber nicht leicht zu bedienen ist. Gerade für Nicht-Tech-Profis, aber auch grundsätzlich. Denn ich finde, das Leben ist zu kurz, um sich sich mit schlecht gestalteten digitalen Produkten herumzuschlagen.
UX Writing ist für mich weit mehr als eine technische Disziplin. Es ist eine Haltung. Immer mit der Frage: Wie kann ich digitale Produkte so gestalten, dass sie leicht zu verstehen sind?
Neben den beruflichen Texten gibt es unzählige Blätter, Notizbücher und Journale, die ich im Laufe der Jahre gefüllt habe. Mal drängend, mal tastend, mal einfach nur suchend. Beim Schreiben formen sich meine Gedanken. Es schenkt mir Erkenntnis, wo im Kopf zuvor Fragezeichen herumschwirren.
Und dann ist da noch der Spieltrieb. Der Rhythmus, das Tempo, der Wechsel von Ton und Textur. Aktive Verben, die nach vorn drängen. Bilder, die zwischen den Zeilen auftauchen. „Du malst mit deinen Worten Bilder“, sagte mal jemand zu mir. Vielleicht stimmt das. Ich habe nie beruflich gemalt, aber mit der Sprache kann ich gestalten. Und so schließt sich ein weiterer Kreis.
Hast du auch Lust bei der Blogparade #WasWarumSchreiben mitzuschreiben? Dann erzähle doch, was schreibst du, und warum? Sie läuft bis zum 22. Juni 2025.

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4 Kommentare zu „Was ich schreibe, und warum“
Liebe Inge, dein Blogartikel hat mich richtig rein gezogen, dass ich mich für das Thema UX interessiere. Ich mag auch, dass alles einfach umzusetzen ist und leicht im Alltag integriert werden kann.
Tatsächlich habe ich überlegt, bei deiner Blogparade teilzunehmen. Ich habe dazu schon einen Artikel.
Herzliche Grüße von Anita ❤️🙋🏼♀️
Wie schön, das zu hören, Anita. Genau das ist mein Ziel: UX verständlich und alltagstauglich machen. Und toll, dass du so schnell einen Artikel geschrieben hast. Wenn du magst, leg los, ich würde mich freuen 😊
Herzliche Grüße
Inge
Liebe Inge, ich habe so gern diesen Artikel gelesen und mir gefällt der Satz: „Mein innerer UX-Detektiv ist gewissermaßen ständig auf Streife.“ Es ist wohl, wie ein Radar, oder Sensor, der Dir nun zur Seite steht.
Sicherlich werde ich Deine Seite mal wieder besuchen, da ich erst anfange zu bloggen und mein Angebot als Leadership Coach, im Web zu präsentieren.
Danke auch für die Buchempfehlungen!
Wie schön, das freut mich sehr, Carolin. Und ja, genau so: Mein UX-Radar scannt ständig mit. Viel Erfolg beim Blogstart und beim Sichtbarwerden als Coach. Klingt nach einer spannenden Reise! Ich freu mich natürlich, wenn du wieder vorbeischaust.